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In Vorbereitung meiner diesjährigen Rede habe ich zunächst geschaut, was letztes Jahr in meinem Manuskript stand. Einerseits soll es ja keine Wiederholung bereits bekannter Fakten sein, andererseits ist schon interessant, was vor einem Jahr in Panketal relevant war. Ich habe Ihnen vor einem Jahr anhand des Leitbildes der Verwaltung unsere Projekte und Ziele vorgestellt und bin dabei insbesondere auf haushalts- und finanztechnische Fragen eingegangen, nämlich auf das Verhältnis von Wunsch und Wirklichkeit und auf die Grenzen des Wachstums.

Vieles von dem könnte auch heute genau so gesagt werden. Auch ist ja Wiederholung, zumal in solch großen Abständen, durchaus sinnvoll, damit eine Botschaft ankommt. Ich sprach im letzten Jahr davon, dass die fetten Jahre dem Ende zugehen, dass, wenn weniger in der Kasse ist, auch weniger ausgegeben werden kann, dass mehr Personal wünschenswert wäre, aber auch langfristig bezahlbar sein muss. Ich sprach von unserer immer noch sehr guten Haushaltslage, niedriger Arbeitslosigkeit von unter 5 %, von den Bauvorhaben Genfer Platz und Umbau Gesamtschule, die damals gerade im Grundsatz beschlossen waren, vom noch immer nicht realisierten Aufzug am S-Bahnhof und dem ausstehenden Ausbau der L 314, vom Kirchplatz und stagnierendem Einwohnerzuwachs, von einer deutlichen Alterung der Bevölkerung, von stabilen und niedrigen Abwasser- und Trinkwassergebühren, von der notwendigen Weiterentwicklung der Schullandschaft, von der bevorstehenden Einweihung der neuen Sporthalle, die heute „Schwanenhalle“ heißt, und der Kita „Birkenwäldchen“ sowie unvermeidlich von diversen Straßenbauvorhaben. Das ganze war visualisiert mit diversen Folien und Grafiken. Über all das könnte ich erneut sprechen und es wäre sicher auch faktenreich und zutreffend. Aber es würde Sie vielleicht auch langweilen und es sind ja auch Projekte, über die man über mehrere Jahre hinweg spricht, weil sie einfach einen längeren Umsetzungszeitraum beanspruchen. Auch ist das nun bereits meine achte Rede zu einem Neujahrsempfang. Deshalb will ich die Gelegenheit nutzen, das Thema zu variieren.

Ich nehme zum Ausgangspunkt das Thema Nr. 1 der letzten Wochen, den Winter wie er früher einmal war. Seit Anfang Dezember erreichen mich täglich Anrufe und E-Mails, in denen sich Bürger über den Winterdienst und die Beeinträchtigungen und Erschwernisse des Winters beklagen. Es wird zwar auch erfreulich oft betont, dass der Winterdienst in Panketal im Vergleich recht ordentlich funktioniert, aber trotzdem, das sei alles ganz schön schlimm.

Mir scheint, wir haben ein wenig den Kompass dafür verloren, was wirklich schlimm ist. Natürlich ist es nicht schön, nur mühsam durch die Straßen zu kommen, öfter mal auszuweichen, die gerade geschobene Grundstücksausfahrt vom Schneepflug wieder frisch gefüllt zu bekommen. Die Verengung der Fahrbahnen bringt wirklich Erschwernisse  mit  sich  –  wir  können  unter  diesen  Bedingungen allerdings mal testen, wie es wäre, wenn überall die von einigen geforderten Straßenbreiten und Einengungen gebaut würden. Dann würden diese Straßenzustände faktisch zum gewollten und gebauten Dauerzustand. Die Straßen haben aber auch die Leichtigkeit und Sicherheit des Verkehrs zu gewährleisten, sie sind nicht zuerst als Verkehrsblockaden- und -verhinderer konzipiert. Aber zurück zur Frage:  Was  ist  schlimm?  Wir  müssen  uns,  so  meine  ich,  wieder einmal daran erinnern, dass es nicht in der menschlichen Macht steht, jedes Naturereignis durch Technikeinsatz zu neutralisieren. Es kann sehr wohl sein, dass man wegen Schnee und Eis sein Fahrzeug nicht benutzen kann. Es kann sein, dass man Straßen nicht benutzen kann. Es kann sein, dass Busse ausfallen. Ausnahmslos alle Mobilitätsträger, ob Deutsche Bahn, S-Bahn, Flugverkehr oder Pkw- und Lkw- Verkehr sind in den letzten Wochen beeinträchtigt gewesen. Es gibt solche, da kann man das eher verstehen und solche, wo es schwerer fällt, Verständnis aufzubringen. Wir waren wohl schon zu lange darauf eingestellt, dass es Winter, wie sie früher einmal waren, nicht mehr gibt. Es war und ist uns ja schließlich auch die globale Erwärmung versprochen bzw. angedroht.

Jedenfalls scheint es uns schwer zu fallen, zu akzeptieren, dass es auch Dinge gibt, die nicht funktionieren und sogleich sind wir unzufrieden und es beginnt das kollektive Wehklagen über die Unfähigkeit all derer, von denen wir ein störungsfreies und perfektes Funktionieren jeglicher Infrastruktur fordern. Diese Erwartung ist so unrealistisch  wie  nützlich  zugleich.  Natürlich  wird  es  Störungen immer wieder geben. Wer meint, sein Bereich bleibe davon verschont, kann schon im nächsten Moment eines Besseren belehrt werden. Das betrifft öffentliche Dienstleistungen, genauso wie die Industrie, das Gesundheitswesen oder die Lebensmittelbranche, um nur einige zu nennen. Es gibt keine absolute Sicherheit, kein technisches System kann das gewährleisten. Das Scheitern und Versagen gehört zum menschlichen Leben. Indem man aber unzufrieden darüber ist, erzeugt man immer wieder aufs Neue den Druck zur Verbesserung und zur Veränderung. Das ist der positive Effekt, der aber mit zum Teil notorisch schlechter Laune erkauft wird. In Ländern und Regionen der Welt, in denen man nicht ganz so perfekt organisiert ist, geht das oft mit fast schon sprichwörtlicher guter Stimmung einher. Es ist also schon ein Spagat zwischen Fröhlichkeit, Unbekümmertheit, Pragmatismus einerseits und Gewissenhaftigkeit und Perfektion andererseits. Beides scheint nur schwer in Einklang zu bringen sein.

Es ist eine bekannte Tatsache, dass Wohlergehen und Wohlbefinden nicht einhergehen. Wissenschaftler haben dafür den Begriff Fortschrittsparadox geprägt. Es kommt nicht darauf an, was wir haben, sondern darauf, was wir meinen haben zu müssen. Je höher der Lebensstandard, desto höher die Ansprüche. Je höher die Ansprüche, desto unwahrscheinlicher, dass sie befriedigt werden können. Umso sicherer der Zustand des Eintretens von Unzufriedenheit, eine verhängnisvolle Spirale nach oben. Während der an der Ausstattung mit langlebigen Konsumgütern oder an der Lebenserwartung gemessene Lebensstandard in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen ist, scheinen die Menschen hierzulande immer unzufriedener zu werden. Unzufriedenheit, Gereiztheit und Übellaunigkeit sind weit verbreitete Eigenschaften.

Deswegen wünsche ich ganz aufrichtig und ehrlich in all meinen Glückwunschkarten  Lebensfreude  und  Zufriedenheit.  Ich  glaube sogar, dass Zufriedenheit und Ausgeglichenheit lebensverlängernd wirken können. Andererseits ist es aber eben auch die Unzufriedenheit und schlechte Laune, die Menschen gegen Unzulänglichkeiten und Missstände vorgehen lässt. Man könnte also sagen, dass die Unzufriedenheit der eigentliche Motor unseres ständigen Fortschritts ist, und dass die am schlechtesten gelaunten Nationen die zumindest statistisch besten Gesellschaftssysteme haben, damit  aber trotzdem sehr unzufrieden sind. Wenn das so wäre, dann wäre ich ja wieder zufrieden mit den Folgen der Unzufriedenheit.

Ich möchte ein zweites Thema ansprechen. Wir werden nachher sechs Menschen aus Panketal auszeichnen, die sich ehrenamtlich engagiert und verdient gemacht haben und deswegen von ihren Mitmenschen zur Auszeichnung vorgeschlagen wurden. Vorschläge gab es übrigens mehr. Vielleicht ist ihnen das auch peinlich, nachher hier zu stehen, weil sie gar nicht im Vordergrund stehen wollen. Sie stehen da aber nicht nur für sich selbst, sie stehen für ein Prinzip der Selbstlosigkeit. Indem wir sie auszeichnen, würdigen wir eine Lebenshaltung, die die Gesellschaft, aber auch der Einzelne braucht. Eine Gesellschaft, in der sich jeder selbst der Nächste ist und die nach dem Prinzip verfährt, wenn jeder nur an sich denkt, ist ja an jeden gedacht, ist eben keine zukunftsfähige Gesellschaft. In der Evolutionsgeschichte hat sich gezeigt, dass kooperatives Verhalten das bessere und erfolgreichere Modell ist. Der Fortschritt baut nicht auf Egoismus auf, sondern auf Altruismus - der selbstlosen Hilfe für andere - auf. Das mag sich kurzfristig anders darstellen und der Einzelne mag es anders wahrnehmen. Insgesamt und über lange Zyklen hinweg ist aber selbstloses Verhalten, Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Sanftmut dem Konkurrenzkampf überlegen. Kooperation stärkt die beteiligten Parteien oder Menschen. Das gilt übrigens auch für Gemeinden und Städte. Wir haben da Nachholbedarf. Es ist es wohl auch so, dass selbstloses Verhalten ansteckend wirkt. Versuchen Sie es einmal in Ihrem Umfeld, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft verdoppelt sich, wenn  man  sie  teilt.  Auch  den  notorischen  Egoisten  kann Selbstlosigkeit als Lebenskonzept helfen. Es ist nämlich gar nicht so, dass wer selbstlos handelt verliert. Im Gegenteil. Die positiven Effekte finden sich nicht nur in einer erhöhten Selbstzufriedenheit und Anerkennung von außen, sondern gehen bis dahin, dass diese Menschen gesünder und zufriedener sind und damit möglicherweise sogar länger leben.

Es gibt so viele Gelegenheiten - große und kleine - anderen zu helfen oder einfach nur freundlich zu sein. Für einen in der Nebenstraße wartenden kurz anzuhalten, kann beiden einen guten Einstieg in den Tag verschaffen. Für den Nachbarn den Winterdienst mitzumachen, während der im Urlaub ist, kann Ihr Nachbarschaftsverhältnis spürbar positiv und nachhaltig beeinflussen. Selbst eine leere Flasche oder eine Zigarettenschachtel aufzuheben und in den Papierkorb zu werfen, macht nicht nur Sie selbst zufrieden, sondern strahlt als positives Beispiel aus. An der Supermarktkasse jemanden mit nur wenigen Dingen  vor  lassen,  macht  sie  und  ihn  glücklich.  Seine  Zeit  zu „opfern“, damit andere eine gute Zeit haben, wie im Sportverein oder bei der Betreuung älterer Menschen oder seine Zeit für die Verschönerung eines Parks oder zur Betreuung von Kindern einzusetzen, lohnt sich allemal. Dem Hundehalter danke sagen, der den Haufen seines lieben Vierbeiners mitnimmt, kostet nichts, sorgt aber für eine positive Stimmung auf beiden Seiten. Wer aus Zeitgründen dies nicht vermag, kann solchen Einrichtungen freilich auch finanziell helfen, wobei sich erfahrungsgemäß mit dem Geldgeben der eigene Zufriedenheitseffekt nicht ganz so wirkungsvoll einstellt.

Auf einige Aspekte möchte ich noch stichpunktartig eingehen.

Da wäre einerseits der Umstand, dass mit Beginn des neuen Jahres die Trink- und Abwassergebühren sehr deutlich um 9 % bzw. 15 % gefallen sind. Selbst die Gebühr für die mobile Entsorgung ist um 53
Cent und damit ebenfalls um ca. 10 % gefallen. Die jeweiligen Grundgebühren bleiben unverändert. Das ist keinesfalls selbstverständlich, zumal die Gebühren schon relativ niedrig waren. Sie sind jetzt ziemlich konkurrenzlos.

Aber im Trink- und Abwasserbereich gibt es nicht nur Erfreuliches. Die durch Gerichte und infolge der dort gesprochenen Urteile durch den Landesgesetzgeber beschlossene Erhebung von Altanschließerbeiträgen, wird  viel  Unmut  und  Ärger  bringen.  Das liegt an der rechtlich nicht gerade schlichten Gemengelage. Es liegt aber nicht im Ermessen der Verbände und der Gemeinden, die Rechtsordnung anzuwenden und durchzusetzen oder es bleiben zu lassen. Das ist unsere Pflicht, auch wenn die damit verbundenen Eingriffe unerfreulich sind. Willkürlich und unberechtigt ist die Erhebung von  Beiträgen natürlich nicht und sowohl die Gerichte aber auch der Gesetzgeber haben m. E. in der Frage richtig geurteilt und entschieden.  Erklären  und  anwenden  müssen  wir  es  nun  aber. Gefühlte   Gerechtigkeit   hat   mit   Rechtstheorie   manchmal   wenig gemein.

Die überörtlichen Netze, Druckerhöhungsstationen, Verteiler, Pumpwerke und Wasserwerke wurden in den letzten zwei Jahrzehnten umfangreich verbessert und saniert. Die damit verbundenen Allgemeinkosten  haben  bisher  nur  Neuanschließer  getragen, ansonsten wurden sie über Kredite finanziert. Der Umstand, dass wir heute eine hohe Versorgungssicherheit, leistungsfähige Wasserwerke, gute Druckverhältnisse und eine insgesamt sehr gute Versorgungssicherheit mit dem wichtigsten Grundnahrungsmittel Wasser haben, erforderte ständige kostenträchtige Investitionen ins Netz und in die Förderung. Das muss von denen bezahlt werden, denen es nutzt - die Gesamtheit der Verbraucher. Insofern ist es legitim, Beiträge zu erheben, auch wenn es wenig Freude auslöst.

Auf Straßenbauvorhaben bin ich oben schon kurz eingegangen. Hier noch einmal eine Zusammenstellung dessen, was in diesem Jahr ansteht:

Für ca. 1,3 Mio. Euro erfolgt der Ausbau der Heinrich-Heine-, Tal-, Linden- und Blumenstraße in Gehrenberge auf einer Länge von 1,3 km.

Eine alte Baustelle ist die Rudolf-Breitscheid-Straße im Abschnitt Zillertaler Straße bis Bucher Chaussee. Hier wird die Fahrbahndecke samt   Regenwasserkanal  für   ca.   540.000   Euro   hergestellt.   Die Baulänge beträgt 800 Meter.

Der Ausbau Karower Straße/Kirschenallee stand schon im letzten Jahr auf der Agenda, wurde aber durch eine erneute Debatte zur Entwässerungslösung verzögert. In diesem Jahr wird dort gebaut und es entstehen 1,3 km neue Straße.

Es  beginnen  die  Bauarbeiten  im  Wohngebiet  Steenerbusch-, Solothurn-, Unterwalden-, Schweizer-, Uristraße, 1. BA - Nord. Sie werden sich allerdings über einen längeren Zeitraum erstrecken.

Der  Ausbau der  L  314  Ortsdurchfahrt Zepernick 3.  BA  Bernauer Straße ist eine schier unendliche Geschichte. In 2011 wird die Geschichte zu Ende geschrieben werden. Der Landesbetrieb baut endlich die Fahrbahn, die Gemeinde kommt mit 650.000 Euro für Geh- und Radwege auf.

Einen grundsätzlichen neuen Ansatz verfolgen wir mit den provisorischen Fahrbahnbefestigungen im Zusammenhang mit Schmutzwasserkanalarbeiten. Hiervon sind solche Nebenstraßen betroffen, die auch mittelfristig nicht grundhaft ausgebaut werden, aber wiederum einen hohen Unterhaltungsaufwand nach sich ziehen. Es handelt sich konkret um Abschnitte der Thalestraße, Goslarer Straße, Weichselstraße, Saalestraße, Oderstraße. Dieser Ansatz ist die Konsequenz aus der Tatsache, dass wir den wünschenswerten Umfang von grundhaftem Straßenbau auf immerhin 46 km oder 34 % noch unbefestigter Straßen in nicht zumutbaren Zeiträumen realisieren können.

Wir werden wiederum für ca. 100.000 Euro neue Straßenbeleuchtung bauen und dabei das Dimmverfahren forcieren, um auch bei konventionellen Straßenlampen wirkungsvoll Energie zu sparen.

Zugleich konnte der Schuldenstand innerhalb von sechs Jahren um mehr als zwei Drittel gesenkt werden. Betrug er 2006 noch 5,5 Mio. Euro, so werden es Ende dieses Jahres nur noch 1,6 Mio. Euro sein. Panketal hat damit ca. 63 Euro Schulden pro Einwohner. Wir haben die guten Jahre konsequent zum Schuldenabbau genutzt. Das schafft zukünftig neue Spielräume.

Eine sehr erfreuliche Entwicklung ist in Hobrechtsfelde zu verzeichnen. Mit dem Erwerb des kompletten Wohngebäudebestandes durch die Wohnungsgenossenschaft Bremer Höhe, ist eine aussichtsreiche Entwicklung eingeleitet worden. Das erste Wohnhaus ist saniert, das Gemeinschaftshaus solide gesichert und ab Mai dieses Jahres stehen acht große und attraktive Wohnungen im dann sanierten Arbeiterwohnheim zur Verfügung. Ich freue mich darüber und halte dies nach langen Jahren der Orientierungs- und Perspektivlosigkeit für eine langfristig sehr positive Entwicklung. Vielleicht können wir in einigen Jahren schon im Gemeinschaftshaus einen Neujahresempfang feiern  und  die  Abi-  und  Weihnachnachtsfeier finden  in  Hobi  und damit im Ort statt.

Auch   sonst   wird   sich   dort   in   diesem   Jahr   einiges   tun.   Das Naturparkfest des Naturpark Barnim wurde letztes Jahr erst-, aber nicht  letztmalig am  Gutshof und  Speicher durchgeführt. Die  etwa
2.500 Besucher erlebten einen spannenden und aktionsreichen Ort und so wird es in diesem Jahr am 20.08. eine Fortsetzung geben. Schön, dass sich der Naturpark für diesen Standort entschieden hat. Auch das Naturweideprojekt wird das Ortsbild der Rieselfelder verändern. Es werden große Flächen eingezäunt und es werden große Tiere nach Hobi kommen. All diese Veränderungen werden nicht ohne Komplikationen sein. Manch einer vermisst sogar die alte Holperpflasterstraße, die im letzten Jahr neu gebaut wurde. Veränderungen sind aber die einzige Konstante im Leben. Wir fahren heute auch nicht mehr Kutsche oder schreiben auf der Schreibmaschine. Jede Entwicklung stößt auch auf Skepsis und Ablehnung, das sollte uns nicht überraschen. Statt aber nur die Risiken und Bedrohungen zu sehen, sollte man die Chancen ergreifen. Es gibt immer die Wahl, Probleme nur zu finden und zu benennen (ein notwendiger Zwischenschritt) oder sie dann auch mit Kreativität und Mut zu überwinden und zu lösen.

Im letzten Jahr ging die Kita „Birkenwäldchen“ mit 81 Plätzen ans Netz. Allerdings konnten diese Plätze noch nicht aktiviert werden, weil die neue Kita zunächst als Ausweichquartier der Kita „Villa Kunterbunt“ genutzt wird - ein zeitlicher Glücksfall. Wenn diese nun im Sommer saniert und erweitert in Betrieb genommen wird, dann stehen real insgesamt 110 Plätze zusätzlich zur Verfügung. Die juristischen Widerstände gegen die Kitasanierung und Erweiterung blieben übrigens bisher erfolglos, und ich hoffe und bin fest davon
überzeugt,   dass   dies   so   bleibt.   Es   wird   also   eine   spürbare Verbesserung der Platzsituation speziell für unter dreijährige Kinder geben. Aber auch dann wird es noch nicht wirklich entspannt zugehen, denn  viele  Panketaler  Eltern  bekommen  offenbar  gern  Kinder, vielfach auch ein zweites und drittes. Panketal ist insofern ein fruchtbarer Flecken. Deshalb ist es auch besonders erfreulich, dass es uns nach langen Bemühungen endlich gelungen ist, eine zweite Kinderärztin für Panketal zu gewinnen, die im Sommer ihre Praxis eröffnen wird. Gleichermaßen würden wir uns sehr freuen, wenn das Angebot an Tagespflege, das in der Zuständigkeit des Landkreises liegt, eine positive Entwicklung nehmen würde. Wir wollen dazu unseren - auch finanziellen - Beitrag leisten. Ähnlich wie wir trotz Personalschlüsselverbesserung im Kitabereich trotzdem zusätzlich weiterhin acht Vollzeitstellen finanzieren, so wollen wir einen finanziellen Anreiz für die schlecht bezahlten Tagesmütter setzen, indem wir einen gemeindlichen Zuschuss pro Kind sowie einen Erstausstattungszuschuss für die Tagespflegestelle zahlen. Die Beschlüsse hierzu werden nächsten Monat auf der Tagesordnung der Gemeindevertretung stehen. Im Hortangebot haben wir inzwischen in Zepernick dank der eignen Horterweiterung und des Angebotes von Montessori eine gute Bedarfsdeckung erreicht. Allerdings gibt es in Schwanebeck noch deutliche Defizite bei der räumlichen Situation.

Es wäre im Übrigen ein Gewinn, wenn die Angebots- und Trägervielfalt, die wir im Kitabereich bereits haben, auch bei den Schulangeboten vorhanden wäre. Der Antrag von Montessori Niederbarnim auf Errichtung einer Grundschule sollte daher nicht aus sachfremden Prinzipien, die auf unsere Situation nicht zutreffen abgelehnt werden. Ich werde mich immer für die Dominanz öffentlicher Anbieter in Bildungsfragen einsetzen. Die ist mit zwei großen Grundschulen auch ohne weiteres gewährleistet. Das bedeutet aber zugleich, dass private Träger willkommen sind. Sie bereichern das Angebot und schaffen produktiven Wettbewerb. Das ist gut. Es mag sinnvoll sein, in dünn besiedelten Regionen keine freien Schulen zuzulassen, weil diese das staatliche Schulsystem dort verdrängen könnten. Das ist aber nicht unsere Situation und deshalb muss hier nach Lage der Dinge und nicht nach Schema F entschieden werden.

Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht, das stimmt. Aber wir wollen nicht ziehen, sondern düngen und zwar unsere Schullandschaft. In den nächsten zwei Jahren wird das überwiegend am Schulstandort in Zepernick geschehen. Etwa 5,3 Mio. Euro werden in zwei Jahren ohne Fördermittel dort verbaut sein und die Schule nicht nur um 1.000 m² und zehn zusätzliche Klassen- und Funktionsräume erweitern, sondern sie auf lange Zeit baulich zukunftssicher machen. Wir sind davon überzeugt, dass wir damit eine gute Rendite erwirtschaften, weil Bildung der einzige Rohstoff ist, der sich bei Gebrauch vermehrt. Aber es kommt in der Schule nicht nur auf die Hardware an, sondern auf die, die darin arbeiten. Wenn Sie sich an Ihre Schulzeit erinnern und daran, was Sie Ihnen gab – o. k. die Erinnerung verblasst zunehmend - aber dann sind es meist die Lehrer und deren Begeisterungs- und Motivationsfähigkeit. Sie sind die wichtigsten Akteure in der Schule. Ein guter Lehrer wird auch unter widrigen Umständen gute Ergebnisse erzielen, aber ein weniger guter bleibt selbst mit der besten Technik und Ausstattung nur mittelmäßig, mitunter macht ihn dieses Ausweichen auf Technik sogar noch schlechter. Deshalb habe ich Bedenken, ob die rein technische und bauliche Fixierung bei der Verbesserung von Bildung zielführend ist.

Ich will es mal mit der Medizin vergleichen. Die zunehmende Verbreitung von Alternativmedizin und die Kritik am existierenden Gesundheitswesen hat nichts damit zu tun, dass bunte Kugeln mehr als Apparate helfen. Aber es hilft die Zeit und die menschliche Zuwendung des Arztes, der zuhört und sich auf seinen Patienten einlässt. Ähnlich ist es auch in der Schule. Der größte Geräteaufwand und die modernste Schule können nicht die sinnstiftende Wirkung menschlicher Beziehungen ersetzen. Darum geht es und deshalb sollte im Mittelpunkt jeder Bemühung um die Verbesserung von Bildung die Beziehung Lehrer - Schüler stehen. Dafür braucht man nicht Lehrer, die - sinnbildlich gesprochen - ein Fass füllen, sondern solche,
die eine Fackel entzünden und ihren Beruf mit Begeisterung ausüben (jedenfalls meistens). Auch das Wischen der Tafel sollte Lehrer und Schüler nicht belasten, sondern kann Gelegenheit geben, Primärtugenden der Schüler wie Sauberkeit, Gründlichkeit und Zuverlässigkeit, auch beim Tafeldienst, herauszubilden. Schikane ist das jedenfalls nicht.

Sehr geehrte Damen und Herren, um die Zukunft zu planen und zu gestalten, muss man träumen können. Ich wünsche uns als Gemeinde, aber auch Ihnen persönlich, produktive Träume und die Fähigkeit, sie dann auch umzusetzen. Die Fähigkeit, Träume zu haben und diese umzusetzen, macht das Leben erst lebenswert. Wenn dann aber ein Traum platzt, dann erinnern Sie sich an den Ausspruch von Antonio de Saint Exupery, der unsere Einladungskarte ziert:

„Das, worauf es ankommt, können wir nicht vorausberechnen. Die schönste Freude erlebt man immer da, wo man sie am wenigsten erwartet. Lassen wir uns also überraschen.“

16.07.2018

Bekanntmachung über die Öffentlichkeits- und Behördenbeteiligung zur Änderung FNP Panketal zum Geltungsbereich des in Aufstellung befindlichen B-Planes Nr. 18 P " Erlebnishof Schwanebeck" sowie der Flächen für die erforderlichen Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen

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16.07.2018

Bekanntmachung über die Öffentlichkeits- und Behördenbeteiligung zum Bebauungsplan Nr. 18 P "Erlebnishof Schwanebeck", OT Schwanebeck -
3. Entwurf

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03.07.2018

Elternbeitragsfreiheit im Jahr vor der Einschulung

Ab dem 01. August 2018 hat das Land Brandenburg die Elternbeitragsfreiheit für Kinder im Jahr vor der Einschulung beschlossen.
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Jul
19
2018